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Olivia die Ausbrecher Königin 

 

Olivia wurde am 01.03.2014 geboren, sie ist eine wunderschöne, große Maine Coon Katze, mit tiefschwarzem, seidigem Fell, das überwiegend lang ist. Um den Hals hat sie einen üppigen flauschigen Fellkragen, der ihr ein wildes Aussehen verleiht. Die wunderschönen, hellgrünen Augen leuchten aus diesem Schwarz heraus, sie kann ganz liebevoll blinzeln oder ihre Augen bedrohlich zusammen kneifen. Wenn sie mit mir redet, verwendet sie eine ganze Palette von Tönen, vom intensiven Miauuu bis hin zum gurren und blubbern schöpft sie alles aus. Sie liebt es von mir – ihrer Menschenmama - gestreichelt und gekuschelt zu werden, dann wirft sie ihren Schnurrmotor an und räkelt sich, dreht sich auf den Rücken und streckt sich genüsslich. Wenn ich mit ihr rede, beantwortet sie meine Fragen mit einem süßen „Miau“.

 

So Menschen bezogen Olivia auch ist und so sehr sie ihr zuhause liebt, so sehr liebt sie auch die Freiheit. Der große Garten bietet ihr zwar viele Möglichkeiten sich auszutoben, aber das ist ihr wohl nicht genug. Sie kann auf den Kirschbaum klettern, der immerhin 15 Meter hoch ist, oder auf den Apfelbaum, der zwar alt aber mit seinem 3 Metern doch niedrig ist. Sie spielt auch manchmal mit den anderen Katzen im Garten, aber alles in allem ist sie doch eher eine Einzelgängerin. Vor allem die älteren Katzen, wie Cilly und Dakota, sind oft hinter ihr her und machen ihr klar, das sie in ihrem jugendlichen Alter hier nix zu sagen hat. Das geht soweit, das sie nicht nur angefaucht, sondern manchmal auch geschlagen wird und das ist ja wohl das Allerletzte, wird sich Olivia denken und das finde ich auch.

 

Deshalb zieht es Olivia manchmal vor, sich außerhalb des Grundstücks zu vergnügen. Ich habe sie schon einige Male dabei beobachtet, wie sie gemütlich über den Friedhof spazierte und dann in der Ferne verschwand. Olivia kam zwar meistens nach ein paar Stunden zurück, aber ich machte mir wahnsinnige Sorgen, das ihr was passieren könnte.

 

Ein Auto könnte sie anfahren und verletzen und dann würde sie irgendwo liegen und keiner könnte ihr helfen. Olivia ist mit Hunden aufgewachsen, sie liebt das Deutsche Doggen Mädchen Cleo sehr und kuschelt oft mir ihr, denn Cleo ist so schön groß und immer so warm, außerdem hat sie ein großes Hundebett wo auch für Olivia noch genug Platz ist. Ja und deshalb sind die Hunde eine große Gefahr für sie, denn viele Hunde jagen die Katzen und wenn sie die erwischen, beißen sie auch zu, eine furchtbare Vorstellung für mich. Nicht zu vergessen ist die Gefahr durch andere Menschen, die könnten sie mit Futter anlocken und einsperren und Olivia könnte dann nicht mehr nach Hause laufen.

 

Aus all diesen Gründen wurde der Garten eingezäunt, ein hoher Holzzaun mit 1,60 m Höhe, oben drauf eine Elektro-Draht Konstruktion extra für Katzen und davor eine 2 m hohe, dichte, grüne Hecke. Für alle Katzen reicht es aus, um sie am ausbrechen zu hindern, Olivia scheint darüber nur zu lachen. Nach intensiver Zaunkontrolle wurde eine Lücke gefunden, im Eck des Gartens, oberhalb des Holzzaunes. Meine Enkeltochter Virginia hatte Olivia sogar dabei beobachtet, wie sie mit einem eleganten Sprung auf den Zaun und außerhalb des Gartens wieder runter sprang und Richtung Friedhof davon lief. Auch diese Lücke wurde mit einem hohen Drahtgeflecht gesichert. Olivia fand das bestimmt nicht so toll, blieb aber die nächsten paar Tage zu hause.

 

Dann war sie wieder weg, diesmal 3 Tage lang, es war furchtbar. Ich ging auf die Suche, über den Friedhof, vorbei an der Schule und dem Sportplatz, durch den Wald und auf der anderen Seite des Dorfes wieder zurück, vorbei an Häusern, Schuppen und Gärten. Ich rief ununterbrochen „Olivia, Olivi, wo bist du“ aber es gab keine Spur von Olivia. Ich nahm mir vor, am nächsten Tag überall Zettel auszuhängen, mit einem schönen Foto von Olivia und unserer Adresse. Außerdem wollte ich bei der Polizei anrufen und bei der Gemeinde. Olivia war bei Tasso angemeldet mit ihrer Chipnummer, auch da würde ich Bescheid sagen, damit die Poster und Flyer drucken könnten und die Tierärzte alle anschreiben die im Umkreis von 50 km ihre Tierarztpraxis haben.

 

Tieftraurig legte ich mich abends aufs Sofa vor den Fernseher, umringt von meinen anderen Katzen, die es sich gemütlich machten im Wohnzimmer. Dann hörte ich ein leises „Miau“, es war das geliebte, helle Stimmchen von Olivia. Ich stand auf und konnte es nicht glauben, mein heißgeliebtes Katzenkind Olivia war wieder da und blinzelte mich an, mit ihren wunderschönen grünen Augen. Sie war unverletzt und ihr Fell sah gesund und gepflegt aus, sie war offensichtlich auch nicht ausgehungert oder verstört. Wo war sie die letzten Tage, hatte sie jemand eingesperrt, das alles war sehr rätselhaft.

Überglücklich und sehr erleichtert trug ich die kleine, schwarze Schnecke erst mal herum. Ich gab ihr das Lieblingsfutter, frisches Wasser und überlegte, was ich machen könnte um zu verhindern, das Olivia wieder ausbricht.

 

Die Idee war, sie in der großen Küche einzusperren, mit anderen Katzen, es war ja auch ständig jemand in der Küche, also das müsste funktionieren. Ja, es funktionierte 2 Tage lang. Da es sehr warm war, habe ich das Küchenfenster ganz geöffnet und da die Küche im 1. Obergeschoss ist und die Straße darunter mindestens 8 m tiefer lag, sah ich da auch keine Gefahr, zumal bisher noch nie eine Katze runter gesprungen war. Am dritten Tag war Olivia wieder weg, ich habe die ganze Küche durchsucht, die ganze Wohnung und den gesamten Garten, keine Spur von Olivia. Oh nein, nicht schon wieder, dachte ich und ging frustriert ins Haus. Es gab keine andere Möglichkeit als die, das Olivia aus dem Fenster auf die Straße gesprungen war.

 

Diesmal war Olivia nach 2 Tagen zurück. Ich hatte wieder nach ihr gesucht, natürlich erfolglos. Wieder wurde die süße Schwarze liebevoll begrüßt und abgeschmust, denn alles andere wäre ja auch Blödsinn, denn würde man die Katze bestrafen, dann würde sie das Nachhausegehen mit Strafe verknüpfen und wahrscheinlich gar nicht mehr heimkommen.

 

So, nachdem beim letzten mal Olivia aus dem offenen Fenster gesprungen war, wurde jetzt das Fenster nur gekippt und der Spalt oberhalb des Fensters war so schmal, das sie da nie durchkommen würde. Olivia belehrte mich eines besseren, denn am nächsten Morgen war sie wieder weg. Ich war stinksauer.

Jetzt kam ein Gitter vor das Küchenfenster, rechts und links in die Rolloschiene geklemmt, hielt es prima und oben schloss es mit dem Rollo ab. Das war aber nun wirklich ausbruchsicher. Olivia fand das Gitter schön, ich konnte nun das Fenster gefahrlos kippen. Ach, was soll ich sagen, Olivia war morgens wieder aus der Küche verschwunden. Ich untersuchte das Fenster mit dem Gitter ganz genau und fand am oberen Rand schwarze Haare am Gitter. Olivia hatte offensichtlich das Gitter am oberen Rand nach innen gezogen und war dann zwischen dem Gitter und dem Rollo durch gekrochen und wieder runter auf die Straße gesprungen.

Auch hier verschloss ich die Lücke mit Kabelbindern. So, jetzt war Ruhe und es erfolgte kein Ausbruch mehr von Olivia durch das Küchenfenster. Ich war erleichtert.

Immer wenn ich die Küche betrat, tat ich das vorsichtig und schaute ob eine Katze hinter der Tür saß. Das ging ein paar mal gut, dann setzte Olivia zum Sprung durch meine Beine an und rannte raus aus der Küche ins Katzenzimmer, dort war der Ausgang zum Garten immer offen und weg war sie wieder.

 

Also was ich auch versuchte, sie ließ sich zwar Zeit, aber sie brach immer wieder aus. Mittlerweile hatten wir den Gartenzaun an weitere Ecken gesichert und für die anderen Katzen war er unüberwindbar, nicht so für Olivia.

 

Ich liebe diese Katze sehr, aber sie ist so clever und geschickt, das es nicht möglich ist sie zu halten. Andererseits imponiert mir ihr Freiheitsdrang und ihre Raffinesse. Ich hoffe sehr, das ihr nichts passiert und sie immer wieder gesund nach Hause kommt.

 

Man könnte also sagen, die Ausbrecher-Königin Olivia hat den Kampf um ihre Freiheit gewonnen.

 Letizia Raufenstein 2015